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Montag, 16. Januar 2012

erstellt von Torsten Kühnel zuletzt verändert: 25.01.2012 17:19
Schulungseinheit Tag 1

So, der erste Tag vom ersten Teil des Doman-Programmes liegt hinter mir. Wir haben ab 8:30 Uhr über 350 Minuten Glenn Doman zugehört, welcher leider nicht persönlich anwesend war. Bei einem Alter von mittlerweile 92 Jahren kein Wunder, daß er lediglich in Philadelphia noch Vorträge hält. Nun gut, persönlich anwesend waren folgende Mitglieder des Doman-Institutes:

  • Douglas Doman - Präsident
  • Elizabetta di Pangrazio - medizinische Direktorin
  • Melissa Doman - Koordinatorin
  • Teruki Uemura - Vizepräsiden des physikalischen Stabes
  • Spencer Doman - physikalischer Stab
  • Ann Ball - Direktorin des physiologischen Stabes
  • Ernesto Vasquez, Vize Direktor des physiologischen Stabes
  • Leon Morales -  medizinischer Stab
  • Diana Martinez - medizinischer Stab
  • Graziana Ceccanti - Administration

Diese Personen standen uns über 1 einhalb Stunden über den ganzen Tag verteilt zur Verfügung, um Fragen zu beantworten oder Dinge zu diskutieren, wovon ich reglich Gebrauch machte, doch dazu später mehr. Die Qualität, mit welcher die Vorträge vorgebracht wurden, war ausgezeichnet. Es standen für 2 Sprachen neben Englisch native Übersetzungen zur Verfügung, bei den Aufzeichnungen in Form aufgezeichneter Übersetzungen, bei den Live-Vorträgen waren Simultanübersetzer live am Werke. Jede dritte Reihe gab es große Flat-Screen Monitore und vorne eine große Leinwand. Es machte wirklich keinen großen Unterschied, ob jemand live vorne redete oder man auf den Bildschirm schaute. Es kam eh auf die vermittelte Information drauf an. Un davon gab es reichlich.

Das Institut um Glenn Doman arbeitet zum Teil eng mit Wissenschaftlern der NASA zusammen, wenn es um respiratorische Dinge geht wie Atmung und Sauerstoffaufnahme, auch fürs Gehirn. Es wundert also nicht, daß wir bei gefühlten 12 Grad Celsius im Raum saßen, um unsere Gehirne aufnahmebereit zu halten. Pro Grad Celsius steigt der Sauerstoffbedarf des Gehirnes um 7%. Es gab aber genug Decken, und ich muss sagen, ich war die gesamten 9 Unterrichtsstunden a 50 Minuten lang aufnahmefähig. Ok, ich hab zwischendurch gegähnt, aber nicht so oft wie sonst.

Interessant in diesem Zusammenhang, das Dr. Temple Fay, Glenn Domans Vorbild und früher wenn nicht sogar der erste Anwender der absichtlichen Therapieform, den menschlichen Körper herunterzukühlen, etwas erfunden hat was heute in unserer angewandten Medizin verwendet wird. Eben dieses runterkühlen des menschlichen Körpers um den Sauerstoffbedarf drastisch zu senken.

Die Umstände hätten also kaum besser sein können, also lauschten wir angespannt den Informationen, welche uns da so angeboten wurden, und ich muss sagen, die ersten 6 Stunden waren so ziemlich der Inhalt der ersten Hälfte des Buches "What to do about your brain injured child", nur eben mit der ein oder anderen Information zusätzlich und vom Autor selber rübergebracht. Also hauptsächlich um folgende Dinge:

  • Kuriere die Ursache der Erkrankung, und die Symptome verschwinden - Lehrsatz der modernen Medizin.
  • Sämtliche Diagnosen wie Cerebralparese, Spastik, Autismus, ADHS, Strabismus, Epilepsie usw. haben alle als Ursache eine Verletzung im Gehirn.
  • Hör auf, sinnlos an den Kindern rumzufummeln, davon wird das verletzte Hirn nicht gesund.
  • Stimuliere und aktiviere genau die Teile im Hirn, welche betroffen sind, mit gezielten Methoden.
  • Die  Stufen von Koma-ähnlichem Zustand bis zum Super entwickelten Organismus - Neurologische Organisation.

Dann gab es einen Vortrag über den Sinn und Unsinn von Antikonvulsiva, den Medikamenten welche auch bei uns noch häufig zur Therapie hirnverletzter Kinder angewendet werden.

Und was soll ich sagen, Glenn Doman verfolgt da wie üblich einen höchst pragmatischen Ansatz, nämlich weglassen das Gift. Wenn Du das Übel an der Wurzel packst, verschwinden auch die Symptome, nämlich die Krämpfe. Sie mit Drogen zu unterdrücken, kann nur temporär Erfolg haben. Und Krämpfe seien die Symptome von (ehemaligem) Sauerstoffmangel im Gehirn, und der Versuch des Gehirnes, mehr Sauerstoff ranzuschaffen. Das Gehirn ist verletzt, und reagiere mit Krämpfen als Symptom. Und diese Symptome zu unterdrücken, könne keinen dauerhaften Erfolg haben. Schaut man sich die (nicht vorhandenen) Erfolge einer antikonvulsiven Behandlung bei z.B. West-Syndrom BNS-Epilepsie an, stützt das seine Ansicht. Und so hat das Doman-Programm auch ein "detoxification-programm" im Angebot. So eine Art Entzug von Antikonvulsiva unter ärztlicher Aufsicht. Klingt vernünftig. Schon Temple Fay, der äusserst erfolgreiche und allgemein hoch angesehene erfolgreiche Gehirnchirurg der 40er - 60er Jahre, sagte, gib nie einem hirnverletzten Kind diese Drogen, diese Antikonvulsiva. Gib sie den Ärzten, damit sie ruhig werden, oder den Eltern. Aber gib sie niemals den betroffenen Kindern.

Nach diesem Vortrag war die Stimmung ziemlich im Keller unter den Teilnehmern. Es gab viele verständnislose Blicke, wie kann denn das alles falsch sein, was mir die Ärzte da bisher erzählt haben. Ich kann doch nicht einfach die Medikamente weglassen. Stimmt das wirklich alles was mir hier erzählt wird?

Nun, wer eins und eins zusammenzählen kann, und auch nur rudimentärste Kenntnisse über die Funktion von Nervenzellen und dem Gehirn hat, dem fällt es leicht nachzuvollziehen, daß man mit der Betäubung eines sagen wir mal verstauchten Fußes niemals die Verletzung kurieren kann. Um mal einen Vergleich zu ziehen zu der Vergiftung des Gehirns mit allerlei sedierenden Substanzen. Soetwas kann einfach nicht funktionieren, und die nicht vorhandene Erfolgsquote einer solchen Vergiftung bestätigt dies.

Nun, ich habe da meine eigene Ansicht zu, daß Krämpfe im Gehirn nach Sauerstoffmangel beim West-Syndrom nicht der Versuch sind vom Gehirn, die Sauerstoffversorgung zu erhöhen. Nervenaktivität im Gehirn verbraucht Sauerstoff. Und ein Krampf ist eine um Größenordnungen höher liegende Aktivität im betroffenen Gehirnbereich, mit entsprechend höher liegendem Bedarf an Sauerstoff. Der menschliche Organismus ist nicht so dumm, sich selbst das Leben noch schwerer zu machen als es eh schon ist. Ich vertrete die These, daß eine BNS-Krampfserie der Versuch von gesunden Zellen ist, in der Nachbarschaft liegende, inaktive einem Sauerstoffmangel ehemals ausgesetzte und sich heat-shock-proteinmässig eingeschützte Zellen, zur Mitarbeit zu bewegen. Abbauen von toten Gehirnzellen ist ähnlich schwierig wie neue schaffen, also lieber solange als möglich zur Mitarbeit überreden, bevor wir doch vernarben müssen, was wir nicht loswerden - sonst Schrumpfhirn. Ich schildere hier nocheinmal die klar zu Grunde liegende Struktur einer (nicht durch Medikamentegabe verwaschene) BNS-Krampfserie: 1-2 Sekunden Krampf, 10 - 15 Sekunden Pause. Dann wieder 1-2 Sekunden Krampf, wieder 10 - 15 Sekunden Pause. Dieser Rythmus für etwas 10 - 15 Minuten, dann mehrere Stunden Pause. Und komplettes auf Parken schalten wenns mal grad wichtigeres zu tun gibt im Organismus, wie Gehirnerschütterung kurieren (2 Tage Krampfrei) oder bakterielle Infektion abwehren (hohes Fieber und auch 10 - 15 Stunden Krampfrei). Und nach 5 1/2 Monaten auskuriert und Hypps-frei, dann 3/4 bis anderthalb Jahre leichte Nachbeben im EEG und dann "alterentsprechende Hintergrundaktivität", aber keine Indizierung mehr zur Medikamentengabe. Das scheint mir eher zu passen als was Glenn Doman sagt. Aber hier steht Autoschrauber Biogärtner Aussage mit Professor an der Uni im Hintergrund der einen NICHT platt gemacht hat gegen Physiotherapeut mit Institutimperium.

Entsprechend positiv reagierte dann auch Douglas Doman, als ich ihm von Adrian erzählte und das wir jetzt mittlerweile über 2 Jahre krampffrei sind, nach schwerem West-Syndrom und 5 1/2 Monaten fast durchgehender Krampfserien. Und das alles OHNE antikonvulsive Medikamente. Zustand nach Epilepsie. Er hat einfach nur gestaunt und mich gelobt. Dabei hab ich von seinem Programm damals noch gar nichts gewusst, als wir die Entscheidung getroffen haben, ohne Medikamente weiterzumachen, und nach einem gangbaren Weg gesucht haben. Hier sei nocheinmal Herr Prof. Dr. med. Gerhard Jorch der Uni Magdeburg genannt, welcher uns in dieser Hinsicht den Rücken solange freigehalten hat, solange sich die Dinge nicht verschlechterten. Dafür haben wir das Thema bisher nicht an die Große Glocke gehangen, doch das ändert sich jetzt allmählich. Mittlerweile sind Tendenzen erkennbar, die Methoden und Erkenntnisse des Doman-Institues Schritt für Schritt auch hier in Deutschland einzuführen, mit allen Hindernissen und Schwierirgkeiten, welche da noch auf uns warten.

Es gab dann noch die Anekdote vom Vater von JFK, dem ehemaligen Präsidenten der USA. Er erlitt einen Hirnschlag und war gelähmt und konnte nicht mehr sprechen. Die Familie des damaligen Präsidenten ging natürlich auf Doman und sein Institut zu, und wollten seine Hilfe. Doch Glenn Doman und seine Mannen lehnten es ab, Geld zu nehmen von so einer einflussreichen Familie und offerierten, ihn unentgeltlich zu behandeln. Was unser eins gut finden würde, stieß denen natürlich sauer auf, vor allen Dingen als Glenn Doman denen keine Extrawurst backen und nach Washington kommen wollte. Die sagten echt, er sei ein Patient wie jeder andere, und wenn er mitmachen wolle, solle er sich gefälligst an die Regeln halten. Zeigten die Kennedeys den Stinkefinger und ließen ihren Vater da 2 Jahre lang vor sich hinvegitieren. Dann war irgendwann das Attentat und sie gingen dann auf dem Doman sein Angebot doch ein, und nach 17 Tagen Doman-Programm, nach einem zwei Jahre lang verschleppten Hirnschlag, konnte Opi Kennedy auf einmal wieder laufen und auch ganze Sätze sprechen. "You are fired" soll sein erster gewesen sein, zu Glenn Doman :) 

Da musste ich mich echt am Tisch fest halten. Die forschen mit den NASA Leuten und therapieren erfolgreich ehemalige Präsidentenopis. Und bei uns werden Doktortitel plagiiert was das Zeugs hält und die Kinder weggedröhnt das es kracht. Zum Glück bin ich damals bei der zehnten Klasse ausgestiegen und hab kein Abi. Da brauch ich mich wenigstens nicht mitschämen.

Sorry für den Sarkasmus, aber das musste mal sein. Ich bin einfach noch zu traurig wie es Adrian geht, da kann ich mit meiner Meinung und meinen Gefühlen nicht so einfach hinterm Berg halten. Ich hoffe, man merkt, daß ich hier niemanden persönlich angreifen will, sondern lediglich Missstände aufzeigen, und zwar deutlichst. Es ist an der Zeit.

 

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Schulung Domantherapie

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Adrian aufg der schiefen Ebene am Anfang der Therapie