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Donnerstag 26.01.2012

erstellt von Torsten Kühnel zuletzt verändert: 24.01.2012 13:16
Praktikum, Linus Pauling, visual pathway, die Sinneswahrnehmung beim Sehen

Am Donnerstag ging es straff weiter im Programm, und wir erhielten Informationen über die Sinneswahrnehmung "Sehen", die Signalverarbeitung im Gehirn und wie man die Sinneswahrnehmung dieses Bereiches stimulieren kann, um eine Schädigung im betroffenen Hirnareal erfolgreich zu behandeln.

Lesen hat neurologisch gesehen nichts mit Sprechen zu tun. Es werden bis auf höhere Kortextschichten völlig unabhängige Hirnbereiche benutzt. Das Lesen, wie auch andere Vorgänge im Zusammenhang mit Sehen finden im rein kognitiven Bereich des Gehirnes statt, und sind in keiner Weise direkt verbunden oder abhängig mit der motorischen Seite, welche z.B. die Sprache steuert. "Reading has nothing to do with talking, reading has nothing to do with talking...(im neurologischen Sinne)" war dann auch einer unserer Lehrsätze. 

Wir gerieten vor Erstaunen ins Raunen, als uns die gängige Praxis des Lesen lernens in amerikanischen Schulen erklärt wurde. Ist übrigens hier bei uns nicht anders. Da wird von sechsjährigen Kindern allen Ernstes erwartet, zur Kontrolle ob sie lesen können, einzelne Absätze vorzulesen. Welche Gehirnbereiche werden hier gleichzeitig aktiviert? Einmal der kognitive Bereich des Sehens und der Mustererkennung, welcher zur Unterscheidung der einzelnen Worte notwendig ist sowie Bereiche des niederen Kortex und des Mittelhirnes, um die Bedeutung der Worte mit gespeicherter Bedeutung zu vergleichen. Dies ist schon ein recht komplexer Vorgang. Doch damit nicht genug. Nun wird vom Kind auch noch die motorische Artikulierung der Laute über die motorischen Bahnen verlangt, welche allerdings in einer völlig anderen Geschwindigkeit ablaufen als das Lesen. Oder können Sie einen Absatz genauso schnell vorlesen wie sie ihn lesen können? Wann haben Sie überhaupt das letzte mal mehr als einen Satz laut vorgelesen? Fällt ihnen das leicht?

Sollte das Kind nun ein Defizit im motorischen Bereich aufweisen, z.B. nie ausreichend gekrabbelt sein um die motorsichen Muster entsprechend auszuprägen, und nun Probleme bei der Artikulierung des Gelesenen haben, wird ihm vorgeworfen, es könne nicht lesen. Obwohl das eine mit dem anderen, neurologisch gesehen nicht viel zu tun hat. Als ob es keine andere Möglichkeit gäbe, das gelesene Abzufragen, z.B. zeitversetzt. Oder Kinder, welchen die Buchstaben vor den Augen "immer getanzt" sind, weil sie einfach noch nicht konvergieren können. Das beide Augen auf ein und den selben Punkt schauen, und ein Bild im Gehirn erscheint, ist eine Aufgabe des Mittelhirnes. Und liegt da eine Hirnverletzung, wenn auch nur eine leichte, vor, tut sich das Kind schwer, schielt und kriegt womöglich noch eine Augen-OP verpasst, um an den Symptomen rumzu"kurieren". Warum haben hirnverletzte Kinder nur immer so viele Probleme mit dem Schielen ... ? So langsam wird es klar, warum. Und wo unsere klassische Schulmedizin da steht mit ihrem Programm. Ran ans Messer und ab den Muskel, dann siehts von Aussen wenigstens nicht so schief aus, und ne Brille gibts auch noch, obwohl auch sie nicht an der Ursache ansetzt, nämlich einer offensichtlichen Hirnschädigung in den betreffenden Bereichen.

Adrian konvergiert schon einen großen Teil der Zeit, was zeigt, daß sich der betreffende Hirnbereich bereits regeneriert hat und funktioniert. Wenn auch nicht immer, aber es geht schon besser. Man muss halt nur regelmässig stimulieren, und zwar mit den passenden Reizen. Intensität, Frequenz und Dauer sind Kenngrößen in der Neurologie und Kybernetik. Und sie sind ein funktionierendes Werkzeug bei der erfolgreichen Anregung zum Gehirnwachstum und Neurogenese in den betroffenen Bereichen. Oder warum gibt es so viele Fälle, wo Patienten nach erhöhter Stimulation der Umgebungsreize aus dem Koma erwacht sind, obwohl das doch per Definition des Bergiffes Koma gar nicht möglich sein dürfte? Auch ein Erfolg der Institute, daß die Defnition des Begriffes Koma mittlerweile angepasst worden ist.

Es kamen angeblich "blinde" Kinder in das Institut, welche nach medizinischer Diagnose zu 100% blind gewesen seien. Es wurde einfach das Prinzip der Erhöhung der Intensität, Frequenz und Dauer angewendet, indem die Kinder in einen dreifach so hell ausgeleuchteten Raum getan wurden, welcher mit großen, schwarz weiß karierten Flächen getäfelt war, an allen sechs Seiten des Raumes. Die Kinder hoben den Kopf, machten ihre Augen weit auf, und schauten sich ersteinmal um in ihrer neuen Umgebung, welche ihren verkümmerten Möglichkeiten, wahrzunehmen einfach mal angepasst worden ist, und voila, es geht doch. Den Eltern standen natürlich die Tränen in den Augen. Wenn man nichts versteht, dreht man den Fernseher doch auch lauter, oder?

Auf jeden Fall war dies ein sehr interessanter Vormittag, und da verwundert es auch nicht, daß wir erfuhren, warum Kinder ab 12 Monaten Alter schon erfolgreich Lesen können. Sie haben richtig gelesen. Kinder können ohne Probleme schon ab ca. einem Jahr lesen lernen. Dazu reicht es aus, wenn das Gehirn verschiedene Muster auseinanderhalten kann, was eine Detailwahrnehmung vorraussetzt, welche wie üblich mit 12 Monaten vorhanden ist. Die Buchstaben müssen nur entsprechend groß und deutlich zu erkennen sein, dann funktioniert das tadellos. Braucht man sein Kind nur mal aus Versehen etwas zu lange vor dem Fernseher sitzen zu lassen, und es kriegt in den Werbespots schön die großen Wörter präsentiert, gleich dazu noch den audiellen Input in Form schön deutlich und laut gesprochener Werbetexte. Und schon plappert das dreijährige Kind das gelesene nach. 1 jährige können das auch, die plappern halt nur noch nicht so viel. Und malt man das Wort dann schön groß auf, erkennen die es sofort wieder - lesen halt. Man stelle sich nur mal vor, wir würden unseren Kindern die ersten Jahre einfach die Ohren zu halten oder nur ganz leise sprechen, um ihnen dann mit sechs Jahren die Ohrenschützer abzunehmen nach dem Motto, jetzt bist du endlich alt genug. Falsch, das Gehirn und die Sinneswahrnehmung ist schon längst so weit, wie Eltern, Lehrer und Ausbilder haben es einfach nicht gepeilt.

Am Nachmittag gab es dann das Praktikum, und wir haben die Stimulation der motorsichen Gehirnbereiche über das Patterning an lebenden Menschen ausprobiert. Das ist schon eine Erfahrung, wenn das 12 jährige Mädchen, welches sich freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat und beim Patterning eine deutliche Spastik in den Armen und Beinen aufweist, am Ende der Übung an der Hand der Mutter gehend den Raum verlässt, nicht ohne sich zu verabscheiden und zu verbeugen. Ich bin fast umgefallen. Adrian hat kaum noch Spastik, und der soll nicht irgendwann gehen?

Auf jedenfall konnten wir von Tag zu Tag mehr differenzieren im Bereich der Hirnschädigung und erfolgreicher Behandlungsmuster. Echt toll.

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Schulung Domantherapie

Bericht über die Teilnahme am ersten Teil des Programmes

Adrian aufg der schiefen Ebene am Anfang der Therapie