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Dienstag und Mittwoch

erstellt von Torsten Kühnel zuletzt verändert: 19.01.2012 02:50
über Doman-Therapie und Pisa, über Spencer, Janet, Melissa, Douglas, Glenn Doman und Temple Fay, über nicht invasive Gehirnchirurgie, über Funktion bestimmt die Struktur, über "Plastizität des Gehirns", über Frequenz, Intensität und Dauer, über Schwerkraft und Zeit, über Neuro-Genese. Über Sensorik und Motorik. Über ein neurologisches Entwicklungsprofil. Über Patterning ist keine Übung.

Hier bin ich nun und schreibe über meine Erfahrungen während der Teilnahme am ersten Teil einer Domantherapie. Und der besteht aus einer einwöchigen Schulung hier am Schlungszentrum und Stützpunkt der IAHP-Institute hier in Europa, in Tierrina Pisa, Italien. Die IAHP-Institute, "Institutes for the Achievement of Human Potential" ist eine gemeinnützige Organisation mit über 55 Jahren an Erfahrung im Umgang mit hirnverletzten Kindern und Erwachsenen. Die Organisation hat Stütztpunkte weltweit, so auch in Japan, Mexico und Brasilien.

Wir haben hier ein volles Programm, und die Ausbildungsprinzipien entsprechen denen, mit welchen auch die Austronauten der NASA ausgebildet werden. Die IAHP Institute arbeiten im allgemeinen eng zusammen mit verschiedenen wissenschaftlichen Einrichtungen in den USA, so auch mit der NASA. So wurde z.B. der Einfluß erhöhter Gravitation (G-Werte über 1)  auf den Gleichgewichtssinn, welcher bei hirnverletzten Kindern beeinträchtigt sein kann, untersucht. Dabei musste das Wissenschaftsteam des Institutes feststellen, daß auch Astronauten ab 4 G Erdbeschleunigung in der Zentrifuge mit Gehirnkrämpfen (!) zu tun haben - das sei aber normal unter solchen Bedingungen und kein Anlass zur Sorge. Da wisse der Astronaut wenigstens, was bei einem Start einer Rakete auf ihn zukäme. Hoch interessant.

Wir haben angepasste klimatische Bedingungen im Schulungsraum, ein hoch-spezialisiertes Team von Ärzten, Wissenschaftlern und Therapeuten steht uns während der kurzen aber regelmässigen und ausreichenden Pausen  zur Verfügung. Übersetzt wird fliessend in spanisch und italienisch. Nativ ist englisch. Und wir haben auch praktische Übungseinheiten, gestern waren es drei an der Zahl. Wir bekommen Hausaufgaben auf und werden gefordert, bis Ende der Schlung all unserer offenen Fragen beantwortet zu haben. Und ich schreibe hier noch Berichte, puh.

Gleich geht es wieder los, daher werde ich mich kurz fassen mit den Inhalten der letzten beiden Tage.

  • Funktion bestimmt die Struktur

Warum sieht ein Gewichtheber so aus wie er aussieht? Hebt er Gewichte, weil er so viele Muskeln hat, oder hat er soviele Muskeln weil er so viele Gewichte hebt? The brain grows by use - soll heißen, das Gehirn entwickelt sich durch seine Benutzung. Ist mehrfach belegt, auch durch (leider) Tierversuche. Deswegen haben hirnverletzte Kinder auch oft ein so degeneriertes Äußeres, welches sich aber entwickelt, sobald das Gehirn mit den Informationen versorgt wird, welche es in seinem jeweiligen Entwicklungssatdium am besten gebrauchen kann. Der Begriff "Plastizität des Gehirns" ist dasselbe, wurde nur etwa fünfzig Jahre zu spät eingeführt. Glenn Doman postuliert das schon seit den 50ern.

  • Frequenz, Dauer und Intensität

Hirnverletzte Kinder bleiben oft in ihrer Entwicklung einfach stehen. Das heißt, ihr Gehirn entwickelt sich nicht weiter auf Grund der Verletzung, welche das Gehirn erlitten hat. Präsentiert man nun dem Gehirn entsprechende Reize, welche es auch verarbeiten kann, nur in ausreichender Frequenz, Dauer und Intensität, so werden die betroffenen Funktionbereiche im Gehrin angeregt, sich zu regenerieren und entsprechend des gesamten Entwicklungsstandes zu funktionieren. Dabei folgt die Beschaffenheit der Reize exakt den entsprechenden Entwicklungsschritten bei der Entwicklung eines gesunden Gehirnes. Ein hirnverletztes Kind, welches nicht Laufen kann, lernt als erstes kriechen, weil evolutionsmässig das Kriechen als erstes passiert ist. Dann Krabbeln, Dann Laufen. Wir besitzen alle noch die Gehirnbereiche fürs Kriechen und Krabbeln in unserem Gehirn, und haben sie alle während unserer Entwicklung als Baby und Kleinkind ausgiebig benutzt - nur unsere hirnverletzten Kinder nicht, weil wir sie dauenrd rumtragen und in Therapiestühle setzen. Wie soll sich da der Hirnbereich fürs Krabbeln entwickeln, vor allen Dingen, wenn das Kind noch hirnverletzt ist ? Hier wird angesetzt, und das Kriechen extensiv geübt. Und die Reize fürs Gehirn "So fühlt es sich an wenn man kriecht, so fühlt es sich an wenn man kriecht..." werden vermittelt durch die Patterning- Einheiten.

Bald mehr ich muss jetzt los zum vierten Tag. Geht über Ernährung und unser Programm für unser Kind. Ich würde an dieser Stelle noch gerne ausführlicher Berichten. Dies war nicht mal ein viertel eines Tages. Es gab noch viel, viel viel mehr Informationen. Bis später.

 

 

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Schulung Domantherapie

Bericht über die Teilnahme am ersten Teil des Programmes

Adrian aufg der schiefen Ebene am Anfang der Therapie